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Ausschnitt aus unserem pädagogischen Konzept

Die Kinderkrippe ist eine familienergänzende Einrichtung für Kinder vom ersten bis zum dritten Lebensjahr.

Unsere Kinderkrippe möchte in einer liebevollen, warmen Atmosphäre einen Raum der Geborgenheit schaffen, in dem Werte wie Respekt und Achtsamkeit in der Gemeinschaft gelebt werden und eine Hülle bilden, die es dem kleinen Kind erleichtert, auf der Erde anzukommen. Die Kinder werden von drei pädagogischen Fachkräften betreut.

Jedes Kind wird bei uns offen empfangen und liebevoll begleitet. Einen wichtigen Brückenpfeiler stellt dabei eine stabile, emotionale Beziehung zwischen dem Kind und der Erzieherin dar. Der Eingewöhnungsphase und der engen, vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Eltern wird eine große Bedeutung zugemessen. Der rhythmisch gegliederte Tagesablauf bietet dem Kind Gelegenheit, sich der Welt gegenüber zu stellen, soziale Kontakte zu knüpfen, aber auch sich zurückzuziehen.

Die liebevoll in sanften Farben und mit natürlichen Materialien gestalteten Räume bilden eine äußere Hülle in der sich das Kind in Ruhe entfalten kann. Gemeinsam werden die in biologischer Qualität angeboten Mahlzeiten eingenommen.

Erlernen von Gehen, Sprechen und Denken

Das Kind erwirbt sich in den ersten drei Jahren diejenigen Fähigkeiten, die es zum Menschsein befähigen. Gehen, Sprechen, Denken, dies ist der Grundboden für die weitere Persönlichkeits-Entwicklung. Sind diese drei Grundpfeiler angelegt, ist ein erster Meilenstein in der Entwicklung des Kleinkindes erreicht.

In unserem täglichen Umgang mit Kindern respektieren und unterstützen wir ihre individuellen Entwicklungsschritte und geben ihnen Raum und Zeit, sich entsprechend ihrer Interessen zu entwickeln. Liebevolle, respektvolle und geschützte Begleitung dieser Schritte unter Berücksichtigung von Besonderheiten sind uns hierbei wichtig.

Um das erste Lebensjahr herum hat sich das Kind der Schwerkraft entgegengesetzt, sich aufgerichtet und hiermit ist das Fundament vieler Bewegungsformen gelegt. Es ist von Wichtigkeit, die Kinder aus eigener Kraft und ihrem eigenen Tempo gemäß in die Aufrichte kommen zu lassen, um dann der Welt entgegen zu laufen.

In unserer Kinderkrippe schaffen wir den Kindern größtmögliche Freiräume, in denen sie sich bewegen können. Es darf erfasst, erblickt, ergriffen, ertastet werden. Dies fördern wir durch verschiedenste naturbelassene Materialien, welche die Sinne ansprechen und anregen. Wir geben die Möglichkeit, die Räumlichkeit zu erobern und somit Lage, Entfernung, Form und Größe zu entdecken. Dieser Prozess wird von uns begleitet, unterstützt und angeregt, auch durch unser Vorbild als sich bewegender Mensch.

Mit dem Gehen hat sich das Kind eine neue Bewusstseinsebene erworben, es kann nun eigenständig auf die Welt zugehen. Im Alltag geben wir Anregungen zu verschiedensten Bewegungsmöglichkeiten, z.B. Treppen krabbeln oder steigen, Erhöhungen erklimmen, Fingerspiele in unserem Morgenkreis, rhythmische Bewegungen oder kleine Spielchen und in unserer Draußenzeit durch schaukeln, klettern, balancieren und graben.

Hierbei ist es uns wichtig, einerseits den Kindern ausreichend Schutz zu geben, andererseits ihnen genügend Bewegungsfreiraum zu lassen. Auch auf feine Bewegungsformen wie Empfindungen achten wir besonders. Dies geschieht durch eine bewusste Haltung der Erzieherinnen, so spiegeln sich doch Sympathie, Hingabe oder Achtsamkeit in unserem ganzen Bewegungsablauf wieder.

Geschick und Koordination regen wir im alltäglichen Miteinander an, z.B. beim gemeinsamen Essen und dem Erlernen, das Besteck selbständig zu benutzen, oder beim Wickeln, in dem wir das Kind helfen lassen (z.B. beim Eincremen, Socken anziehen). Nachdem das Kind sich in die Aufrichte erhoben hat, erwacht im zweiten Jahr die Sprache, die es befähigt, intensive soziale Kontakte zu knüpfen.

Der Mensch ist auf drei Ebenen physisch, seelisch und geistig an der Sprache beteiligt. Dies wollen wir im Kind anregen. Auch dies tun wir in erster Linie durch unser Vorbild und durch deutliche, klare Sprache. Dabei steht erst einmal nicht unser gesprochenes Wort im Vordergrund, sondern die sich dabei vollziehenden Gesten, Handlungen und die innere Hinwendung zum Kind. Anregungen geben wir im täglichen, respektvollen und herzlichen Miteinander, in der Pflege, durch Lieder, Fingerspiele, Liebköschenund Sprüche. Vom Sagen, Nennen bis zum Reden und Spielen mit der Sprache fördern wir hierdurch den Sprachgeist und die Sprachfreude. Rhythmisch gegliederte Sprachverse regen an. Babysprache oder intellektuelle Erklärungen unter- bzw. überfordern Kinder dieses Alters.

Im dritten Jahr entwickelt sich das Denken. Eng mit dieser Entwicklung verbunden sind die Ausgestaltung der Sprache, das Spiel und die Belebung der Phantasie. Vom Wiedererkennen bis zur völlig freien Erinnerung liegt ein langer Prozess. Im ersten Lebensjahr erwirbt sich der Säugling die Grundlagen des Merkens, z.B. durch das immer wiederkehrende Gesicht der Mutter. Im zweiten Lebensjahr beginnt das rhythmische Gedächtnis. So werden Worte immer wieder erfragt oder wiederholt und Dinge müssen endlose Male benannt werden. Parallel dazu bildet sich das lokalisierende Gedächtnis, was bedeutet, dass die freie Erinnerung immer länger wird, auch an gestern und weiter zurückliegende Ereignisse wird sich erinnert. Auch lernt das Kind nun das zu behalten, was ihm über die Sprache mitgeteilt wird, kommt Aufforderungen nach und wird offen für Ermahnungen.

Dies ist auch die Zeit, in der die kindliche Phantasie erwacht, eines der stärksten Charakteristik des Kleinkindalters. In seinem Phantasiespiel kann es sich mit der Welt verbinden und vielfältigste Denkstrukturen schulen. Durch freilassendes, vielfältiges Spielmaterial, ruhige und schöne Form- und Farbgestaltung der Räume, in einer nicht überladenen Umgebung, hat das Kind Raum für Phantasie.

Um es den Kindern zu erleichtern, sich denkend in der Welt zurecht zu finden, geben wir ihnen klare Strukturen durch einen sich täglich wiederholenden Tagesablauf und einen gegliederten Wochen- und Jahresrhythmus. Durch unsere Verrichtungen als Vorbild kann das Kind Sinnhaftigkeit des menschlichen Tuns erleben und Ursache und Wirkung erfahren.

Gegen Ende des dritten Lebensjahres sind Gehen, Sprechen und Denken in seinen grundlegendsten Strukturen vom Kind ergriffen. Nun beginnt eine neue Phase, in der das Ich-Erleben im Inneren des Kindes immer stärker wird und eine Ich-Du-Beziehung entstehen kann.

Sinnespflege

Das Ziel der Sinnesentwicklung ist ein geistig-seelisches und soziales Selbstbewusstsein, daher legen wir in unserer Krippe ein besonderes Augenmerk darauf. Im Säuglings-und Kleinkindalter ist die Pflege der Basalsinne, der „selbstwahrnehmenden Sinne“ sehr wichtig. Damit sind folgende Sinne gemeint:

Der Lebenssinn vermittelt die „erste menschliche Eigenwahrnehmung, durch die sich der Mensch als Ganzes in seiner Körperlichkeit nach bewusst wird“ (R. Steiner).

Der Lebenssinn als solcher wird nicht bewusst wahrgenommen. Wir bemerken ihn nur dann, wenn er in seiner idealen Grundbefindlichkeit, „des Durchdrungenseins von Behaglichkeit“ im eigenen Körper gestört ist. Da dieses innerliche Sich-Wohlfühlen bis in die Seele ausstrahlt und eine Grundlage für die gesunde Entwicklung darstellt, ist es unsere Aufgabe als Eltern und Erzieher, die Bedingungen dafür zu schaffen. Durch liebevolle Begegnung, natürliche Nahrung und Kleidung und eine äußere Umgebung, die eine Hülle bildet, helfen wir dem Kind, sich in sich selbst zuhause zu fühlen.

Der Eigenbewegungssinn ist der Sinn, durch den man, ohne sich bewusst zu sein, seine eigenen Bewegungen wahrnimmt. Dadurch werden äußerer Raum und Zeit wahrgenommen und das Kind lernt, die spontanen Reflexbewegungen in eine harmonische Gestaltung der Bewegungsabläufe zu führen. Das kleine Kind lernt z.B. die Augenbewegung vom zufälligen zum gezielten Blickkontakt zu führen oder vom Zappeln der Hände zum bewussten Greifen zu gelangen. Dazu benötigt es genügend Zeit und Gelegenheit.

Der Tastsinn bildet die Grundlage der Selbstwahrnehmung gegenüber der Äußerlichkeit. Über ihn werden Empfindungen bis in die tiefste Innerlichkeit erlebt. Deshalb sind eine liebevolle, achtsame Pflege und die Berührung mit natürlichen Materialien so prägend.

Der Gleichgewichtssinn dient der Integration der körperlichen Bewegungen. Denn jede Bewegung ändert die Statik des Körpers und diese muss neu ausgerichtet werden. Deshalb ist es wichtig, dem Kind durch vielfältige Bewegungsanreize ein großes Übungsfeld anzubieten (rauf, runter, drüben, unter …)

Während der Entwicklung aller Sinne ist es in unserer heutigen Zeit aber nötig, die Kinder vor zu vielen Reizen zu schützen, denn eine Reizüberflutung führt zu Irritationen und Rückzug. Deshalb benötigt das Kind für seine gesunde, ganzheitliche Entwicklung eine Umgebung die geprägt ist von Beständigkeit, Sanftheit und Verlässlichkeit. Dies wirkt bis in die feinste Differenzierung der Organe und des Gehirns und ist dispositions- und konstitutionsbestimmend für das ganze Leben.

Pflege des kleinen Kindes

Leib, Seele und Geist sind beim kleinen Kind noch untrennbar miteinander verbunden. Alles was wir an und mit dem kleinen Kind tun, prägt sich wie in der Sinnespflege beschrieben, tief in den Leib des Kindes ein. So bilden die körperlichen Erfahrungen die Grundlage für die spätere seelische und geistige Entwicklung.

Die Pflege des Kindes befriedigt das Grundbedürfnis nach intensiver Zuwendung und ungeteilter Aufmerksamkeit. Für das Kind wird zum einen erlebbar, dass die Welt, in die es geboren wurde, gut und schön ist, zum anderen vermittelt der pflegende Erwachsene: „Ich bin für dich da, du bist mir wichtig.“

Im ersten Lebensjahr übernehmen die Eltern diese Aufgabe, die nun mit dem Eintritt in die Kinderkrippe von der Erzieherin mit übernommen wird. Berührt werden gehört zum Alltag des Kindes und der respektvolle, geduldige und liebevolle Umgang prägt sich dem Kind tief ein. Mit diesem Hintergrund wird die Pflege des Kindes kein mechanisches Tun, sondern entwickelt sich zu einem Zwiegespräch mit dem Kind. Die Bedürfnisse des Kindes stehen dabei im Vordergrund. Die Erzieherin bezieht das Kind in alle Tätigkeiten mit ein. Sie begleitet das Hochnehmen, Ausziehen, Wickeln und Anziehen mit Worten und greift dabei die Impulse des Kindes zur Mitarbeit auf. Dies erfordert vom Erwachsenen einen taktvollen, liebevollen Umgang mit dem Kind und genaues Beobachten und gezieltes Handeln. Damit das Kind den innigen Kontakt mit seiner Erzieherin genießen kann, wird der Pflege des Kindes in Tagesrhythmus genügend Zeit eingeräumt. Der Wickelplatz befindet sich in einem Nebenraum, nur auf diese Weise finden Kind und Erzieherin die nötige Ruhe. Der Raum selbst vermittelt durch seine Gestaltung eine Atmosphäre, in der sich die Kinder geborgen und aufgehoben fühlen. Der intime und innige Kontakt bei der Pflege fördert das Kind in vielen Bereichen. Seine motorischen, sozialen und sprachlichen Fähigkeiten werden geschult. Auch sein Selbstwert und Körpergefühl werden gefördert.

Der liebevolle Umgang mit dem Kind lässt es „beziehungssatt“ werden. So kann es sich auf neue Erfahrungen mit sich selbst, mit anderen Kindern oder seiner Umgebung einlassen.

Bindung und Eingewöhnung

Ein Kind im Alter von drei oder vier Monaten wird sich wahrscheinlich noch von jedem Erwachsenen - bekannt oder unbekannt – beruhigen lassen. Ganz anders wird dies allerdings bei einem Kind im Alter von acht Monaten sein. In der Regel wird es fremde Personen in dieser Phase ablehnen und sich von diesen nicht trösten lassen. In diesem Moment können nur noch die Mutter oder der Vater, also Menschen, die zu dem Kind eine tragfähige Bindung entwickelt haben, das Kind beruhigen. Wenn das Kind älter wird, vergrößert sich in der Regel der Kreis der Personen, zu denen es (Bindungs-) Beziehungen herstellt.

Mit Beginn des Krippenalltags erschließt das Kind einen größeren sozialen Raum, in dem es sich zukünftig bewegen wird. Da braucht es eine verfügbare Person, zu der es eine stabile und tragfähige Beziehung aufbauen kann. Ansonsten kann es nicht entspannt seine Umwelt erkunden und seinen Entwicklungsaufgaben nachgehen. Diese Person wird „seine“ Erzieherin sein, zu der es einen Bezug aufgebaut hat. Deshalb ist die wichtigste Zeit in der Krippe für jedes kleine Kind die Eingewöhnungsphase, in der dieser Bezugsaufbau geschieht. Dies ist entscheidend, wie wohl sich das Kind in seiner neuen Umgebung fühlen wird.

Ziel von uns ist es, Ihrem Kind und seiner Familie einen Rahmen zu bieten, in dem es dieses Gefühl von Bindung, Vertrauen und Sicherheit erlebt. Deshalb wollen wir so behutsam wie möglich die Eingewöhnungsphase gestalten und Ihrem Kind die Zeit geben, die es benötigt.

Folgende Kooperation und Beteiligung der Eltern ist unbedingt erforderlich:

  • Eltern müssen genügend Zeit einplanen (4 Wochen).
  • Es gibt eine ausführliche Elterninfo vor Beginn der Eingewöhnung.
  • Die Eingewöhnung findet individuell, je nach Bedürfnis des Kindes, vor- oder nachmittags statt.
  • Das Kind wird ohne Ausnahme von seiner Bindungsperson begleitet.
  • Die Anwesenheitszeit des Kindes in der Krippe wird täglich ausgedehnt.
  • In den ersten drei Tagen findet kein Trennungsversuch statt.
  • Der vierte Tag entscheidet über die Länge der Eingewöhnung.
  • Montags finden für das Kind nie neue Situationen statt.
  • Prioritäten setzt das Kind, in dem es das Tempo angibt (kürzere/längere Eingewöhnungszeit)
  • Jedes Kind hat seine eigene Bezugserzieherin, zu der es Bindung aufbaut.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abgeschlossen ist eine gelungene Eingewöhnung erst, wenn die Erzieherin das Kind nachhaltig trösten und beruhigen kann, das Kind also eine verlässliche Beziehung zu seiner Erzieherin aufgebaut hat.